Legasthenie/LRS

 

Ursachen und Erscheinungsbilder

Zu unterscheiden ist eine Lese- und Rechtschreibstörung (Legasthenie, Dyslexie) mit teilweise hirnorganisch bedingten Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsstörungen von einer vorübergehenden Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS) die in mehr oder minder starker Ausprägung eine Verzögerung im individuellen Lese- und Schreibprozess darstellt. Zusätliche zu unterscheiden sind Erscheinungsformen der Lese- und Rechtschreibschwäche bei Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf.

 

1. Lese- und Rechtschreibstörung (Legasthenie)

Legasthenie ist eine Störung des Lesens- und Rechtschreibens entwicklungsbiologisch und zentralnervös, lange vor der Geburt des Kindes angelegt oder durch eine Schädigung im zeitlichen Umkreis der Geburt bedingt, besteht trotz normaler oder auch überdurchschnittlicher Intelligenz, trotz normaler familiärer und schulischer Lernanregungen, nur schwer therapierbare Krankheit, führt zu teilweise erheblichen Störungen bei der zentralen Aufnahme, Verarbeitung und Wiedergabe von Sprache und Schriftsprache.

 

2. Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS)

Die Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS) ist ein vorübergehendes legasthenes Erscheinungsbild, das auf unterschiedliche Ursachen (z.B. Erkrankung, besondere seelische Belastung, Schulwechsel) zurückzuführen ist.

3. Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf
Lese- und Rechtschreibschwächen im Rahmen einer allgemeinen Minderbegabung treten bei Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf auf, die aber nciht so schwach begabt sind, dass sie eine Schule mit dem "Förderschwerpunkt Lernen" besuchen müssen. Diese Schüler haben jedoch in allen Bereichen schulischen Lernens und Arbeitens Schwierigkeiten, die über die gesamte Schulzeit anhalten.

 

Fördermaßnahmen im Rahmen des Unterrichts:

Treten in der Grundschule Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens- und Rechtschreibens auf, versucht die Schule diese mit Fördermaßnahmen im Rahmen der inneren Differenzierung, im regulären Unterricht, sowie in den in der Stundentafel ausgewiesenen Förderstunden zu beheben (Jahrgangsstufe 1).
In den anderen Jahrgangsstufen der Grundschule wie auch in der Hauptschule können klassenübergreifende Stütz- und Förderkurse gebildet werden.

Besondere Fördermaßnahmen:
Gemäß §10 Abs. 4 Nr. 1 der Schulordnung für Volksschulen in Bayern kann für Schüler mit besonderen Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens- und Rechtschreibens an Grund- und Hauptschulen besonderer Förderunterricht eingerichtet werden. In unterschiedlichen Fällen ist es nötig, zur Unterscheidung von Schülern mit Legasthenie und von Schülern mit einer vorübergehenden Lese- und Rechtschreibschwäche, die Beobachtungen der Schule durch gezielte Untersuchungen zu ergänzen.

Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten:
Die Erziehungsberechtigten von Schülern mit Legasthenie bzw. einer Lese- und Rechtschreibschwäche werden frühzeitig von der Schule über Art und Ausmaß der Teilleistungsstörung und über die Möglichkeiten, sie zu überwinden bzw. mit ihnen zu leben informiert.


Leistungsfeststellung und Leistungsbewertung, Zeugnisse, Gutachten:
Bei der Leistungsfeststellung und Leistungsbewertung wird zwischen Schülern mit dauernder Legasthenie und Schülern mit einer vorübergehenen Lese- und Rechtschreibschwäche unterschieden. Eine differenzierte Behandlung kann aber nur erfolgen, wenn das Vorliegen einer Legasthenie durch ein schriftliches Gutachten bestätigt wird. Bei Vorliegen eines solchen Gutachtens muss die Legasthenie
berücksichtigt werden, z.B. bei

  • der Form und dem Inhalt der Leistungsfeststellung,

  • den Hilfen während der Leistungsfeststellung,

  • der Leistungsbewertung im Fach Deutsch und in den Fremdsprachen,

  • der Leistungsbewertung in allen anderen Fächern im Bezug zur Rechtschreibung.

Als ausreichende Bestätigung für das Vorliegen einer Legasthenie gelten nur fachärztliche Bescheinigungen, die durch einen Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, ein Sozialpädiatrisches Zentrum oder eine andere entsprechend aus- oder weitergebildete Fachkraft im Zusammenwirken mit einem im Schuldienst tätigen Schulpsychologen der jeweiligen Schulart erstellt sind.
Voraussetzungen für die Anerkennung einer fachärztlichen Bescheinigung durch den Schulpsychologischen ist eine multiaxiale Diagnostik, wie sie auch im Rahmen der Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII nach den Vorgaben des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit durchgeführt wird.
Der Schulpsychologe fasst die Aussagen der fachärztlichen Bescheinigung zusammen und leitet der Schule die Entscheidung sowie Empfehlungen für angemessene Förder- und Hilfsmaßnahmen zu. Die fachärztliche Bescheinigung sowie weitere Befundberichte selbst verbleiben beim Schulpsychologen.

 

Leistungsfeststellung und Bewertung:

 

Lehrkräfte beraten über geeignete Hilfestellungen für Schüler mit Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten bei der Leistungsfeststellung. Der Schulleiter entscheidet über die Gewährung eines Zeitzuschlags (s. IV/2 der KMBek). Anzustreben ist, das Hilfestellungen von allen Lehrkräften in einem vergleichbaren Umfang angewandt werden.
Für die Gewährung eines Zeitzuschlags wird auf die Aussagen in der Allgemeinen Prüfungsordnung hingewiesen, die hier als Richtschnur dienen kann. Gemäß § 38 APO soll Schwerbehinderten eine Arbeitszeitverlängerung bis zu einem Viertel der normalen Arbeitszeit gewährt werden, bei besonders schwerer Behinderung bis zur Hälfte.
Die Erziehungsberechtigten der betroffenen Schüler sind über Hilfestellungen bei der Leistungsfeststellung, über die Regelungen bei der Leistungsbewertung und insbesondere über den erforderlichen Vermerk im Zeugnis frühzeitig zu unterrichten.

Übertritt in eine weiterführende Schule/Gutachten:

Das Gutachten über eine Legasthenie ist beim Übertritt von der Grundschule in eine weiterführende Schule (Hauptschule, Realschule, Gymnasium) neu auszustellen bzw. vom zuständigen Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie im Zusammenwirken mit dem zuständigen Schulpsychologen zu bestätigen. Die aufnehmende Schule wird auf das Vorliegen einer gutachtlich festgestellten Legasthenie bzw. einer festgestellten Lese- und Rechtschreibschwäche hingewiesen (Wortgutachten). Legasthenie bzw. eine Lese- und Rechtschreibschwäche sind bei sonst angemessener Gesamtleistung kein Grund, einen Schüler vom Übertritt an das Gymnasium, die Realschule oder die Wirtschaftsschule auszuschließen.

Zusätzliche Informationen